Bauchdeckenstraffung

Die Leitlinien haben keine juristische Relevanz

Bauchstraffung (Abdominoplastik)
Autor: Dr. Matthias Gensior, Arzt für Chirurgie/plastische Chirurgie

Trotz der zunehmenden Durchführung der Fettabsaugung im Bereich der Bauchdecke hat die Abdominoplastik (Bauchdeckenstraffung, Bauchstraffung, Bauchdeckenplastik) nach wie vor ihren Stellenwert. Ziel der Maßnahme ist die Straffung der Bauchhaut, wenn im Unterbauch eine echte Überlappung und Schürzenbildung von Haut und Unterhautfettgewebe vorhanden ist. Dies ist häufig vergesellschaftet mit einem Auseinanderweichen der beiden geraden Bauchdeckenmuskeln, die bei dieser operativen Maßnahme wieder miteinander vereinigt werden. Der alleinige Fettüberschuss mit noch gleichzeitig straff elastischer Haut sollte heute durch eine Liposuktion behandelt werden.

Eine weitere Indikation zur Bauchstraffung (Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) liegt vor, wenn es z.B. im Rahmen einer vorangegangenen Schwangerschaft zu einer sogenannten Striaebildung – einem narbig ausgeheilten Einriss der eigentlichen Hautschicht im Unterbauch – gekommen ist. Dies kann auch im Rahmen einer ausgeprägten Fettleibigkeit auftreten und wird besonders nach Gewichtsreduzierung auffällig.

Bei der Straffung der Bauchhaut erfolgt eine quere Durchtrennung der Haut und des Unterhautfettgewebes von Beckenkamm zu Beckenkamm. Der kopfwärts gelegene Anteil der Bauchhaut wird von der eigentlichen Bauchdecke abgelöst und nach fußwärts gezogen. Der überschießende Anteil der Haut und des Unterhautfettgewebes wird entfernt. Dies ist mit einer Neueinpflanzung des Nabels verbunden.

Voraussetzung dafür, dass eine entsprechende Operation (Bauchstraffung, Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) durchgeführt werden kann, ist allerdings ein ausreichender Hautfettgewebeüberschuss im Oberbauch. Im Rahmen der Operation ist es notwendig, dass der Nabel in das Hautfettgewebe oberhalb des Nabels neu eingesetzt wird. Für die Operation muss also genügend Haut und Unterhautfettgewebe im Oberbauch vorhanden sein, welches bis zur Höhe der Beckenkämme heruntergezogen werden kann.

Bei einem solchen Eingriff muss sich der Patient darüber im Klaren sein, dass nach Abheilung eine Narbe von Beckenkamm zu Beckenkamm verläuft, die deutlich sichtbar verbleibt. Ebenfalls ist im Nabelbereich eine dezente Narbenbildung erkennbar. Wird die Bauchstraffung (Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) allein aus ästhetischen Gründen vorgenommen, muss eine relative Fitness vorliegen, da der Eingriff eine erhebliche Belastung des Gesamtorganismus darstellt. Eine Bauchstraffung ist nicht selten mit einem Blutverlust verbunden, der jedoch durch einen gesunden Organismus gut kompensiert werden kann.

Bei krankhafter Fettleibigkeit sind andere Voraussetzungen gegeben, die im Rahmen der Maßnahmendarstellung hier nicht erörtert werden können.
Wie Eingangs schon aufgeführt, ist eine Bauchstraffung (Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) nicht erforderlich bei einem lokalisierten Fettüberschuss mit noch relativ straff elastischer Haut.

Herz-Kreislauferkrankungen, die hinsichtlich einer Minderbelastbarkeit insbesondere im Rahmen des Operationstraumas von Bedeutung werden können, müssen vorher behandelt werden. Bei Vorliegen eines Diabetes (Zuckerkrankheit) muss von einem solchen Eingriff eher abgeraten werden, da durch die Operation sehr große Wundflächen geschaffen werden, die ein intaktes Abwehrsystem erfordern. Sehr häufig ist jedoch bei der Zuckererkrankung das allgemeine Immunsystem geschwächt. Liegt eine generalisierte Fettleibigkeit vor, müssen sorgfältig die gesundheitlichen Risiken eines solchen Eingriffs präoperativ gegeneinander abgewogen werden. Im Rahmen eines solchen Eingriffs kann nur eine umschriebene Fettgewebsreduktion vorgenommen werden.

Generell bleibt festzuhalten, dass die Bauchstraffung (Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) einen großen operativen Eingriff mit deutlich sichtbaren Narben darstellt. Da es im Rahmen der Operation postoperativ zu einer Verkleinerung der Bauchhöhle kommt, ist Patienten mit einer gestörten Lungenfunktion ebenso abzuraten wie Patienten mit Darmentleerungsstörungen.

Bei Vorliegen einer echten Fettschürzenbildung ist eine deutliche Verbesserung der Silhouette sowohl in Aufsicht als insbesondere auch im Profil zu erreichen. Die deutlich sichtbare Narbenbildung muss dabei allerdings in Kauf genommen werden. Gleichzeitig ist mit diesem Eingriff eine maßvolle Gewichtsreduktion verbunden.

Bei der Bauchstraffung, die aus ästhetischen Gründen vorgenommen wird, sollte nach Möglichkeit auch eine ästhetische Narbe verbleiben. Hierzu muss der zukünftige Narbenverlauf präoperativ mit dem Patienten besprochen werden. Ein Anhaltspunkt für die spätere Narbenführung ist zum Beispiel die Form von Badeanzügen oder Bodies, die getragen werden. Die Schnittführung wird nach Möglichkeit so gewählt, dass ein Großteil der Narbe später unter diesen Kleidungsstücken verborgen werden kann. Je nach Schnittform kann ein flacher Narbenverlauf von Beckenkamm zu Beckenkamm oder ein eher etwas steilerer Narbenverlauf gewählt werden. Einem steileren Narbenverlauf ist dann der Vorzug zu geben, wenn häufig hohe Beinausschnitte bei entsprechenden Kleidungsstücken getragen werden.

Im mittleren Anteil liegt dabei der Hautschnitt unmittelbar oberhalb der Schamhaargrenze. Die obere Begrenzung des Schnittes ist in der Regel der obere Nabelrand, wobei der Nabel kreisförmig sparsam umschnitten wird. Im weiteren operativen Vorgehen wird nun der gesamte Hautfettmantel von der sogenannten Bauchdeckenfaszie abgelöst. Diese Faszie stellt die eigentlich straffen Strukturen der Bauchdecke dar. Unter diesen Faszien verlaufen die Bauchdeckenmuskeln. Die Ablösung von Haut und Unterhautfettgewebe muss von unten ausgehend bis zur Höhe der Rippenbögen durchgeführt werden. Dieser Schritt muss sehr sorgfältig durchgeführt werden, um eine vollständige Beweglichkeit der gesamten Bauchhaut erzielen zu können. Bei der Abpräparation der Bauchhaut muss dabei sorgfältig eine Blutstillung betrieben werden, da viele Gefäße zwischen der eigentlichen Bauchdecke und der Haut sowie dem Unterhautfettgewebe verlaufen. Nach Ablösung von Haut und Unterhautfettgewebe erfolgt eine Inspektion der eigentlichen Bauchdecke.

Zeigt sich dann ein Auseinanderweichen der beiden gerade von kopfwärts nach fußwärts verlaufenden Bauchmuskeln, kann durch eine spezielle operative Technik eine Annäherung dieser beiden Muskeln erzielt werden. Wird dieser operative Schritt bei Vorliegen eines Auseinanderweichens der beiden geraden Bauchdeckenmuskeln nicht durchgeführt, kommt es nach stattgehabter Operation beim Anspannen der Bauchdecke unweigerlich erneut zu einer Vorwölbung des Oberbauchs, die ästhetisch wenig befriedigend ist.

Nach Rekonstruktion der eigentlichen Bauchdecke wird dann das frei beweglich gemachte Unterhautfettgewebe sowie die Haut nach fußwärts gezogen und nach Ausschneidung des Nabels eine Entfernung des überschießenden Haut- und Unterhautanteils vorgenommen. Der Patient wird hierzu in eine leicht sitzende Haltung verbracht, gleichzeitig werden die Beine in den Hüftgelenken leicht gebeugt. Auf diese Weise gelingt es relativ spannungsfrei, die Wundränder aneinander zu legen, um sie später vernähen zu können.

Von einer gleichzeitigen Ausdünnung des Unterhautfettgewebes, entweder scharf durch das Skalpell oder die Schere, bzw. einer gleichzeitig erfolgenden Fettabsaugung sollte heute nach Meinung vieler Chirurgen Abstand genommen werden. Durch eine solche Maßnahme findet eine erhebliche Risikoerhöhung statt, insbesondere was die spätere Durchblutung der verbliebenen Haut sowie des Unterhautbindegewebes anbetrifft.

Bevor die Wundränder miteinander vereinigt werden, wird nun die spätere Lokalisation des Nabels im Haut-/Unterhautfettgewebe festgelegt. Der auf der Bauchdecke fixiert gebliebene Nabel wird dann durch eine V-förmige Einschneidung hindurchgezogen und eingenäht. Danach werden in der Regel zwei Drainageschläuche eingelegt, an die Sogflaschen angeschlossen werden. Hierdurch kann noch austretendes Blut sowie Gewebewasser abgesaugt werden. Im Anschluss erfolgt dann eine Vereinigung der unteren Wundränder.

Standardtechnik sind hierbei zwei fortlaufend im Unterhautfettgewebe sowie unmittelbar in der Haut verlaufende Nahtreihen. Nach Beendigung des Eingriffs wird nur ein milder Kompressionsverband mit einer einfachen, elastischen Bauchdeckenbinde angelegt, um nicht eine Durchblutungsstörung in der Bauchdeckenhaut hervorzurufen.

Die hier geschilderte Operationstechnik stellt allerdings nur den Standardablauf einer solchen Operation (Bauchstraffung, Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) dar. Insgesamt bleibt jedoch festzuhalten, dass aufgrund der individuellen Verhältnisse viele Variationen im Rahmen einer Bauchdeckenstraffung erforderlich werden können.
Aufgrund der Größe des operativen Eingriffs ist in der Regel eine stationäre Behandlung notwendig. Die Dauer des stationären Aufenthaltes ist jedoch vom Allgemeinbefinden sowie dem Allgemeinzustand abhängig. So kann der Aufenthalt mit ca. 2-3 Tagen durchaus kurzstationär sein.

Bei Begleiterkrankungen kann jedoch auch ein stationärer Aufenthalt von 8-10 Tagen erforderlich werden.

Eine tageschirurgische Bauchdeckenstraffung stellt eine Ausnahme dar. Normalerweise wird der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt, da nur im Rahmen einer Vollnarkose eine Rekonstruktion der eigentlichen Bauchdecke durchgeführt werden kann. Falls nur eine Verminderung von Haut- und Unterhautfettgewebe erforderlich ist, kann bei geeigneten Voraussetzungen dieser Eingriff auch in der sogenannten Tumeszenzlokalanästhesie durchgeführt werden. Hierbei wird dann eine große Menge von Betäubungsmittel und Flüssigkeit in die Bauchhaut eingebracht.

Um das allgemeine Operationsrisiko möglichst gering zu halten, sollte eine relative Fitness vorliegen. Hierzu ist es durchaus wünschenswert, 2-3 Monate vor dem geplanten Eingriff mit einem leichten Lauftraining oder Fahrradtraining zu beginnen, um die Fitness zu steigern. Zusätzlich sollte noch eine maßvolle Diät eingehalten werden. In den letzten 3-4 Wochen vor dem Eingriff sollte jedoch eine übermäßige Gewichtsreduktion vermieden werden, da es hierdurch zu einer ungünstigen Stoffwechsellage des Gesamtorganismus mit Schwächung des Immunsystems kommen kann. Weiterhin können bestimmte Mangelerscheinungen des Stoffwechsels dann zu einer gestörten Wundheilung führen.

Nach stattgehabter Operation ist eine frühzeitige Mobilisierung erforderlich, um das Risiko einer Thrombose bzw. einer Lungenembolie möglichst kurz zu halten. Aufgrund der häufig nicht unerheblichen Spannung im Nahtbereich ist jedoch eine körperliche Schonung für 2-3 Wochen erforderlich. Danach kann ein leichtes Fitnesstraining wieder aufgenommen werden. Ist gleichzeitig eine Rekonstruktion der eigentlichen Bauchdecke mit erfolgt, sind körperliche Anstrengungen für einen Zeitraum von 6 Wochen verboten. Für einen Zeitraum für 6 Wochen sollte auch ein mildes Kompressionsmieder getragen werden.
Eine Bauchstraffung (Abdominoplastik, Bauchdeckenstraffung, Bauchdeckenplastik) stellt einen großen operativen Eingriff dar. Im Rahmen eines solchen Eingriffs kann es zu einem erheblichen Blutverlust mit den dadurch bedingten Komplikationen kommen. Als Maßnahmen hiergegen werden Drainagen eingelegt, um frühzeitig eine Nachblutung erkennen zu können. Das Hauptrisiko einer solchen Operation besteht jedoch in einer Wundinfektion sowie einer mangelhaften Durchblutung der vom Oberbauch in den Unterbauch gezogenen Haut. Hieraus können ausgeprägte Wundheilungsstörungen mit sehr auffälligen und breiten Narben entstehen. Nach sekundärer Wundheilung können auch manchmal große Lappenplastiken – das sind ausgedehnte Hautverschwenkungen – erforderlich werden. Hieraus resultiert in aller Regel jedoch ein ästhetisch sehr unbefriedigendes Ergebnis. In Einzelfällen sind sogar nach fortschreitenden Wundinfektionen Todesfälle beschrieben.
Nach der Operation sind zunächst regelmäßige Wundkontrollen erforderlich. Nach Entfernung der Fäden ist dann allerdings nur nochmals eine Kontrolle nach 6 Wochen sowie eine weitere nach 3 Monaten notwendig.

Falls es nach einigen Jahren wieder zu einem ästhetisch störenden Bauch gekommen sein sollte, kann prinzipiell eine erneute Bauchdeckenstraffung durchgeführt werden. Es ist jedoch dann schon aufgrund der veränderten Durchblutungsverhältnisse mit einem deutlich erhöhten Operationsrisiko von Wundheilungsstörungen und teilweisem Absterben von Hautanteilen zu rechnen. Nach Möglichkeit sollte eine Bauchdeckenstraffung nur ein einziges Mal durchgeführt werden.