Presse-Details

Stellungnahme der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. ( GÄCD ) zur vorgesehenen öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestag am 23. April 2008 zum Antrag:

Missbräuche im Bereich der Schönheitsoperationen gezielt verhindern - Verbraucher umfassend schützen
(BT-Drs. 16/6779)

Antrag zur Anhörung im Bundestag

Teilnehmer

Es wird im Einzelnen auf den Antrag eingegangen.

    1. Auch wenn die Begriffe Schönheitsoperation, Schönheitschirurgie, kosmetische Chirurgie oder ästhetische Chirurgie in Deutschland nicht eindeutig definiert sind, ist die Grundaussage falsch, dass sich die so genannte Schönheitschirurgie mit der Verbesserung oder Veränderung von Körperformen durch operative Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit befasst. Mit wenigen Ausnahmen ist auch im Rahmen der Ästhetischen Chirurgie eine medizinische Indikation gegeben. Hierfür ist es keinesfalls erforderlich, dass ein funktionelles Defizit bei einem Patienten vorliegen muss. Als Beispiel sei hier das „abstehende Ohr“ genannt. Die Hörfähigkeit wird durch die Korrekturoperation in keiner Weise beeinflusst. Die medizinische Indikation für eine solche Operation ist in erster Linie in der Abwendung einer negativen psychischen Entwicklung oder Aufhebung einer psychischen Fehlentwicklung gegeben. Zur rein somatischen medizinischen Indikation, wie z. Beispiel bei einem „durchgebrochenem Blinddarm“ mit einer zwingenden medizinischen Indikation, ist bei einer Ästhetisch- Chirurgischen Maßnahme die medizinische Indikation eher als relativ zu betrachten. Dies kann aber auch bei einer rein somatischen Indikation wie zum Beispiel bei einem symptomlosen Leistenbruch der Fall sein oder Ausstülpungen der Darmwand des Dickdarms (Divertikel). Hier ist die relative medizinische Indikation in der Verhinderung einer möglichen Komplikation wie zum Beispiel eine Einklemmung des Leistenbruchs oder Platzen des Divertikel.

      Unserer Einschätzung nach ist bei über 90 Prozent der ästhetisch bedingten Korrekturoperationen eine medizinische Indikation – wenn auch relativ – gegeben.

      Die Subsummierung der oben aufgeführten Begriffe in einen Begriff erscheint uns daher nicht zulässig.
      Die GÄCD spricht daher von Ästhetischer Chirurgie für einen Großteil der durchgeführten Korrekturoperationen.
      Als Schönheitschirurgie sollte nur die Chirurgie ohne medizinische Indikation angesehen werden. Beispielhaft sei hier der Wunsch einer Veränderung einer „Flachstirn“ in eine „Hochstirn“ genannt, oder der Wunsch einer Patientin eine normgerechte Brustgröße in eine Übergröße umzuwandeln. Auch Faltenbehandlung wie Unterspritzung mit so genannten Fillern oder auch die Behandlung von Falten mit Botulinumtoxin entbehren im Regelfall einer medizinischen Indikation, auch wenn es davon Ausnahmen gibt.

      Die im Weiteren genannten Zahlen zur „Schönheitschirurgie“ erscheinen uns hinterfragungswürdig. Dies wird ebenfalls auch in dem Abschlußbericht der Dr. Dieter Korczak GP Forschungsgruppe in Frage gestellt. Es wurden zur externen Validierung der Studie die Zahlen der GÄCD herangezogen. Unverständlich ist allerdings, obwohl in der Studie mehrfach Bezug auf die Zahlen der GÄCD genommen wird, dass sich kein Hinweis im Literaturverzeichnis auf die Studie der GÄCD findet.

      Auch wenn von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss für Eingriffe von Nicht-Fachärzten, die keine Facharztausbildung zum plastischen Chirurgen oder eine andere Facharztausbildung absolviert haben, sowie Heilpraktikern und Kosmetikern, erscheint die Anzahl von über eine Million geschätzten Eingriffe viel zu hoch angesetzt. Realistisch erscheint eine Zahl von deutlich unter 1 Million. Dies wird auch in der von Dr. Korczak erarbeiteten Studie geäußert. Unter Berücksichtigung der Operationszahlen der Mitglieder der GÄCD als größte interdisziplinäre ästhetische Gesellschaft mit 450 Mitgliedern sowie der Operationszahlen der Mitglieder der DGPRÄC (Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen), die plastisch-ästhetisch chirurgisch tätig sind, mit insgesamt ca. 400.000 Eingriffen pro Jahr, lässt eine Dunkelziffer in gleicher Größe eher unwahrscheinlich erscheinen. Diese Studie der GÄCD war die erste Untersuchung, die nachprüfbar Zahlen ergab.

      Auch die genannte Zahl von 10 Prozent von Patienten unter 18 Jahren, die eine ästhetisch-plastische Korrektur durchführen ließen, ist anhand der eigenen Datenerhebung nicht nachvollziehbar. In 2006 wurden 7 Prozent der durch die Mitglieder der GÄCD durchgeführten Eingriffe bei Patienten unter 18 Jahren durchgeführt. Dabei handelte es sich in erster Linie um Laserchirurgische Eingriffe sowie Korrekturoperationen an Nase und Ohr.
      Insofern ist die Aussage auf Seite 2 des Antrages „Der Wunsch nach einem neuen Busen zum Abitur ist keine Ausnahme mehr.“ mit den vorliegenden Erhebungsdaten nicht in Einklang zu bringen und entbehrt jeder Grundlage.
      Die im Weiteren geäußerte Aussage, dass die Zahl der „Schönheitschirurgischen Eingriffe“ - auch bei Jugendlichen – zunehme, ist durch das z.Zt. vorliegende Datenmaterial nicht zu belegen.

      Trotz dieser Widersprüchlichkeiten bezüglich des Zahlenmaterials betrachtet auch die GÄCD mit Sorge, dass eine nicht unerhebliche Zahl von ästhetisch-chirurgischen Eingriffen durch nicht qualifizierte Ärzte, Heilpraktiker oder sogar Kosmetikerinnen vorgenommen werden. Dem Antrag folgend unterstützt auch die GÄCD die Forderung, dass Schönheitsoperationen an Kindern und Jugendlichen nur dann vorgenommen werden sollten, wenn ein erheblicher Leidensdruck vorliegt oder ein Krankheitswert der Deformierung eingeschätzt werden kann so, wie es bisher auch in aller Regel praktiziert wird.

    2. Der im Antrag geäußerten Auffassung kann in vollem Umfang zugestimmt werden.

    3. Die GÄCD fordert von ihren Mitgliedern einen entsprechenden Nachweis einer entsprechenden Versicherung. Die regelmäßig erscheinenden Pressemitteilungen setzen sich immer wieder kritisch mit Auswüchsen im Bereich der Ästhetischen Chirurgie auseinander.

      Die Einbeziehung operative plastisch-chirurgische Eingriffe (Schönheitsoperationen) in den Anwendungsbereich des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) ist einerseits begrüßenswert. Sie führt aber in Praxis dazu, dass seriöse Ärzte und Kliniken ihre Methoden und Ergebnisse nur sehr eingeschränkt zur Information darstellen dürfen. Hingegen Institute und „einfallsreiche“ Ärzte und Marketingstrategen nach wie vor im Internet, Funk, Fernsehen und Presse weitgehend unbehelligt in althergebrachter Weise für sich werben.

      Es sei nochmals kritisch auf den subsumierenden Begriff „Schönheitsoperation“ verwiesen. Nach unserer Auffassung ist bei einem Großteil der Ästhetisch-Plastischen Operationen eine relative medizinische Indikation gegeben.

  1. Die in II aufgeführten Forderungen eines Kriterienkatalogs für Patienten sind für die Mitglieder der GÄCD schon seit September 2007 gültig. Sie finden ihren Niederschlag in der „GÄCD Leitlinie OP-Katalog“, diese Leitlinie ist als Anhang beigefügt.

    Zu folgenden Fragen würden wir gerne im Ausschuss Stellung nehmen:

    • Gibt es wirklich einen Boom in der „Schönheitschirurgie“?
    • Wie kann ein Patient den geeigneten Arzt für eine Plastisch-Ästhetische Maßnahme finden?
    • Halten Sie einen Facharzt für Ästhetische Chirurgie für erforderlich?

Bad Soden, den 15.04.2008

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